Flexible Strompreise - Risikofaktor oder Innovation mit Sparpotential?

Der Strompreis ist in Deutschland vor allem drei Dinge: intransparent, starr und selten ein Grund zur Freude. Er wird eingebettet in ein Wirrwarr aus Preis-, Bonus- und Rabatt-Komponenten, sodass der Eindruck entsteht, der Kunde wäre in der Lage mit besonders viel Glück oder Vergleichsportal-Bedienungs-Talent den besten Deal zu erhaschen.

Dass dieses Schnäppchenjägertum inzwischen ein Problem für die großen Konzerne wird, sieht man in den letzten Bemühungen, Dauer-Wechsler schon vor Vertragsabschluss identifizieren zu können. Denn Verträge mit hohem Bonus sind für die Anbieter häufig nicht profitabel oder führen sogar zu Verlusten im ersten Jahr. Wenn Kunden dann in großer Zahl nicht, wie geplant, darüber hinaus Kunde in einem deutlich teureren Vertrag bleiben, wird diese Art von Verträgen zum Problem. 

Dabei könnte die Tarifstruktur für Stromverträge so einfach sein, denn eigentlich funktioniert der Strommarkt einfacher als die meisten anderen Märkte. Die Einkaufskonditionen an der Börse sind für alle Anbieter gleich und abgesehen von Margen oder speziellen Rabatten, um Neukunden zu gewinnen, ist auch der endgültige Strompreis, inklusive aller Abgaben und Steuern, der gleiche für alle Anbieter. (Erfahre mehr darüber, wie genau sich der Strompreis zusammensetzt.)

Allerdings lässt sich der Strompreis nur schlecht vorhersagen. Das bedeutet, ein Vertrag mit einem garantierten kWh-Preis wird schnell unprofitabel für große Konzerne, wenn die Preise an der Börse über längere Zeit höher sind als erwartet. 

Das sind die monatlich durchschnittlichen Einkaufspreise inkl. Steuern und Abgaben der letzten 12 Monate im bundesdeutschen Durchschnitt:

Das bedeutet, wenn der eigene Vertrag einen kWh-Preis hat, der deutlich unter diesem Durchschnitt liegt, macht der aktuelle Anbieter Verlust und man kann sehr wahrscheinlich in Zukunft mit einer Preiserhöhung rechnen. Es sei denn, die feste Gebühr pro Monat übersteigt die tatsächlichen Abgaben für Netz- und Messstellenbetrieb deutlich (Mit unserem Preisrechner kannst du dir die tatsächlichen Kosten für deine PLZ anschauen). 

Welche Faktoren beeinflussen den Strompreis?

Um dir ein besseres Verständnis zu geben, was den Stromeinkaufspreis eigentlich beeinflusst, geben wir dir hier einen Überblick über die größten Einflussfaktoren.

Der Strompreis an der Strombörse basiert auf Angebot (produzierte Strommenge) und Nachfrage (Stromverbrauch). Da man Strom nicht langfristig speichern kann, passiert das Ganze sozusagen in Echtzeit. Besonders hohe Preise bedeuten, dass eine Unterversorgung herrscht, besonders niedrige Preise spiegeln ein Überangebot wider. Das bedeutet, dass entweder die Nachfrage nach Strom, das aktuelle Produktionsvolumen (also das Angebot) übersteigt oder - auf der anderen Seite - deutlich mehr Strom produziert, als nachgefragt wird. 

Schwankungen auf der Angebotsseite: Wie kommt es zu einem Über- oder Unterangebot bei der verfügbaren Strommenge? 

Wind und Sonne: Die variabelsten Faktoren auf der Angebotsseite sind der Wind und die Sonne. In 2020 kamen über 50% der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen, fast 75% davon aus Solar- und Windkraft. Wind und Sonne sind nicht plan- und kontrollierbar. Man kann also mit Sicherheit sagen, dass in Zeiten, in denen der Wind stark weht und/oder die Sonne scheint, ein höheres Angebot an verfügbarem Strom besteht und daher der Preis in dieser Zeit niedriger ist, wenn alle anderen Faktoren gleich bleiben. 

Fossile Brennstoffe: Öl, Kohle und Gas sind relativ teure Stromquellen im Vergleich zu z. B. Wind oder Sonne (welche kostenlos sind ;).  Wenn die Nachfrage hoch ist oder das Angebot aus billigeren Quellen nicht verfügbar ist, müssen oft teure fossile Kraftwerke eingeschaltet werden (Wie im Winter 2021 in Deutschland) - und es sind diese Kraftwerke, die die höheren Preise festlegen. Weniger grüner Strom bedeutet, dass die teureren Quellen die Nachfrage abfangen müssen und dann der Börsen-Preis steigt.

Schwankungen auf der Nachfrageseite: Wann wird mehr oder weniger Strom als im Durchschnitt üblich verbraucht?

Temperaturen: In Deutschland heizen zwar die meisten Haushalte noch mit Gas oder Öl aber die Anzahl der elektrisch betriebenen Heizsysteme, wie z. B. Wärmepumpen steigt stetig. Wenn es außerdem flächendeckend sehr warm oder kalt ist in Europa, bedeutet das auch, dass weniger Strom importiert werden kann, da der Eigenbedarf je Land wächst (für z. B. Heizungen oder Klimaanlagen). Also müssen in Deutschland teurere Kraftwerke “angeschmissen” werden, was den Preis treibt.  Großverbraucher: Die gewerblichen Verbraucher machen 75% des Stromverbrauchs in Deutschland aus, man denke z. B. an die Schwerindustrie (Aluminium- oder Produktionsfabriken). Wir alle haben die Auswirkungen des Coronavirus zu spüren bekommen... so auch das Energiesystem, denn die geringere Nachfrage der Industrie drückte während des ersten vollständigen Lockdowns auf den Strompreis.

Weitere Faktoren

Wartung und Ausbau der Stromnetze: Der Ausbau der erneuerbaren Energien bringt Schwankungen in der Stromerzeugung und Belastungen der Netze mit sich. Die Stromleitungen müssen den Strom, der in norddeutschen Windkraftanlagen produziert wird, auch an die Verbrauchsorte im Süden transportieren. Diese müssen gewartet werden und können ausfallen - was zu Engpässen führt, bei denen es in einem Bereich des Netzes zu einem Überangebot und in einem anderen zu einer Unterversorgung kommt. Die so entstehenden Kosten werden vor Allem von den Netzbetreibern getragen, die diese über Abgaben an Kunden weitergeben. Milliardenschwere Großprojekte wie die Südlink Stromtrasse von Norddeutschland nach Bayern verbinden Stromerzeugungsregionen mit Stromverbrauchsregionen - auch diese Kosten werden am Ende von den Verbrauchern getragen.   Politik und Investitionen: Je mehr Kraftwerke (dazu zählen auch grüne Produzenten) im System sind, desto mehr wird das Angebot die Preise drücken. Da Kernkraftwerke aus dem Betrieb genommen werden, müssen neue Anlagen ans Netz gehen, um die Lücke zu füllen. Hier hat die Politik großen Einfluss was sie wie fördert. Ähnlich verhält es sich auf der anderen Seite: Ein größerer Schub in Richtung Elektrifizierung (z. B. Elektrofahrzeuge) wird das Gesamtniveau des Verbrauchs erhöhen und muss, um den Preis zu halten, mit zusätzlicher Stromproduktion ausgeglichen werden.

Macht es trotzdem Sinn einen Tarif mit einem flexiblen Preis zu haben? Und gehe ich damit auch kein Risiko ein?

Kurze Antwort, ja! 

Wenn man nicht jedes Jahr auf Schnäppchenjagd gehen möchte, solange es noch geht, sondern einfach immer das beste am Markt verfügbare Angebot haben möchte, ist man mit einem Tarif, der dem Einkaufspreis ohne Aufschläge folgt immer gut beraten. 

Mittelfristig werden alle Preise für Endkonsumenten den Einkaufspreisen folgen. Vor allem Schwankungen nach oben können sich Stromanbieter nur für eine gewisse Zeit leisten, bevor sie die Preise auch in laufenden Verträgen erhöhen müssen. Der Vorteil bei flexiblen Tarifen, also solchen bei denen sich der Preis dynamisch am Einkaufspreis orientiert ist, dass man bei Schwankungen nach oben nur kurzfristig höhere Preise zahlt, die sich aber durch Ausschläge nach unten im Mittel wieder ausgleichen. Bei starren Modellen, vor allem mit langen Laufzeiten, steckt man aber nach einer Preiserhöhung im teureren Vertrag auch für eine ganze Weile fest. 

Wenn man einen smarten Zähler zu Hause hat, kann man sogar teure Zeiten vermeiden und günstige Zeiten voll ausnutzen, so dass man tatsächlich, einfach durch smarte Steuerung mit Tibber oder eigenes Verhalten sehr viel Geld sparen kann. Mehr dazu findest du hier.

Worauf wartest du noch? 

Mit unserem Stromvertrag erhältst du Zugang zur innovativsten Strom-App in Deutschland. Du zahlst nur den Einkaufspreis für den verbrauchten Strom, Netz- und Messstellengebühren und 3,99 € Tibber-Gebühr pro Monat. Es gibt keine Mindestvertragslaufzeit und du kannst jederzeit mit einer Frist von 4 Wochen kündigen.

Probiere die App aus

Publiziert 17.2.2021

Annett Gröschner
Storyteller

Weitere Artikel