Das nachhaltige Traumhaus

Als Elisabet Kjerstad Bøe und ihr Mann Håvard Korsvoll sich entschlossen, ihr Traumhaus zu bauen, war ihnen eine Sache besonders wichtig: Alles, von der Materialauswahl über das Design bis hin zu den Energielösungen sollte unter dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit sorgfältig geplant sein. Das war anfangs leichter gesagt als getan, denn es fehlte ihnen vor allem an Informationen zum nachhaltigen und ökologischen Bauen. Von da an nahmen sie die Sache selbst in die Hand und eigneten sich das nötige Wissen an.

Nachdem sie in den USA, Frankreich und verschiedenen Orten in ganz Norwegen gelebt hat, zog es Elisabet zurück zu den Fjorden und Bergen ihrer Kindheit. Nach über zehn Umzügen in zehn Jahren wollte sie sesshaft werden und ein Haus bauen. Nicht einfach irgendein Haus sollte es sein – das Paar wollte auf intelligente und nachhaltige Weise bauen. Elisabets starkes Interesse an Nachhaltigkeit kam bei diesem Projekt also genau recht. Sie spezialisierte sich in ihrer Karriere auf Nachhaltigkeit von Energieprojekten und arbeitet heute als Sustainability Manager bei Tibber.

Energieeffizient, mit Wänden, die heizen

Seit etwas mehr als drei Jahren lebt die vierköpfige Familie jetzt im neuen Haus im Norwegischen Sunnfjord (gemeinsam mit etwa 30 Schafen) und ist rundum zufrieden mit den eigenen vier Wänden. Das graue, aus Massivholz gebaute Haus fügt sich wunderbar in die schöne Umgebung ein. Das Einzige, was sie aus heutiger Sicht anders gemacht hätten, betont Elisabet, wäre ein kleineres Haus zu bauen, um den Energieverbrauch weiter zu senken. Sowohl das Design und die Lage des Hauses als auch die Wahl der Materialien tragen dazu bei, die Wärme im Haus auf natürliche Weise zu erhalten. Die Strahlung von einem großen, nach Süden ausgerichteten Fenster trifft auf eine der inneren, hohlen Ziegelwände des Hauses. Die so natürlich erwärmte Luft im Inneren der Ziegelwand wird dann tagsüber über Ventile im Haus verteilt. Auf diese Weise wird der Bedarf an elektrischer Heizung minimiert. So smart und dabei doch so simpel. 

Der Fjord macht sein Ding

Das gesamte Heizsystem des Hauses ist darauf ausgelegt, möglichst von den lokalen Energiequellen zu profitieren. Neben Sonnenenergie fürs Heizen und zur Stromerzeugung nutzt vor allem die Lage des Hauses, das direkt an einem von Norwegens zahlreichen Fjorden liegt. Eine 5,6 kW Wärmepumpe pumpt tiefliegendes Fjordwasser, welches ganzjährig eine konstante Temperatur hat, um die Fußbodenheizung im ganzen Haus zu versorgen. Eine smarte Heizungssteuerung hilft bei der Optimierung der Wärmepumpe. Dazu ist sowohl eine Netatmo-Wetterstation und ein Ngenic-Thermostat über die Tibber App integriert. Laut Elisabet handelt es sich hierbei um ein extrem energieeffizientes System handelt und verrät, dass keine andere Form der Heizung im Haus benötigt wird. Der schöne Kamin im Wohnzimmer sorgt für das richtige Ambiente – und für besonders gemütliche Abende. Auch die Belüftung im Haus folgt einem natürlichen Zyklus. Das Haus besitzt zwölf Dachfenster mit eingebauten Ventilen, die sich fünfmal am Tag automatisch öffnen und schließen. Diese Fenster sind auch mit der Netatmo-Wetterstation synchronisiert, um zu warnen, wenn die CO2-Werte zu hoch ist. 

Smarte Materialauswahl

Während des gesamten Bauprozesses lag der Fokus auf der Wiederverwendung von Materialien und der Minimierung von Abfällen. Alle verwendeten Ziegelsteine sind Überbleibsel eines anderen lokalen Bauprojekts. Auch die Türen kamen günstig aus zweiter Hand. Eine der Badezimmerwände besteht aus alten Holzdielen und einige weitere Wände aus übrig gebliebenen Sperrholzplatten. Elisabet sagt zufrieden, dass die nachhaltige Nutzung der Ressourcen nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für das eigene Gewissen ist -  und ganz nebenbei konnten sie auch noch Geld sparen. 

Ein Haus, das atmet

Holz und organische Materialien sind besonders vorteilhaft für das Raumklima, da sie Feuchtigkeit aufnehmen, die Temperatur regulieren und den CO2-Gehalt auf einem gleichmäßigen Niveau halten. Aus diesem Grund hat sich das Paar dafür entschieden, alle Böden und Wände im Haus frei von PVC-basierten Materialien zu halten, welche die Oberflächen versiegeln und ersticken würden. Alle Wände bestehen aus Holz und sind mit organischen Ölen oder Farben gestrichen. All dies vermittelt das Gefühl, dass das ganze Haus tatsächlich atmet.

Optimiert für einen geringen Stromverbrauch

Schon früh in der Planung entschied das Paar, den Fokus beim Hausbau auf einen möglichst niedrigen Gesamtstromverbrauch zu richten. Um dies zu erreichen, gibt es zwei Ansatzpunkte, wie Elisabet erklärt: 

  1. Den Verbrauch reduzieren

  2. Einen Teil des Stroms selbst, lokal produzieren 

Im Fall von Elisabet hat das zu 32 Solarpanels mit einer Fläche von insgesamt 40 Quadratmetern geführt, die das Dach des Hauses zieren. Die Tibber-App gibt ihr dabei jederzeit einen vollen Überblick über die Stromproduktion.

"Dadurch, dass wir über die App einen vollen Überblick über unseren Stromverbrauch und unsere Produktion in Echtzeit haben, wird der ganze Prozess interessanter, spannender und macht mehr Spaß. Ich glaube, dass Einblicke wie diese Menschen dazu motivieren, tatsächlich bewusstere und nachhaltigere Entscheidungen zu treffen." 

Die Solarmodule haben eine maximale Leistung von 7,6 kW. Im Jahr 2019 erzeugten sie insgesamt 5.600 kWh Strom. Davon wurden 4.000 kWh ins Stromnetz eingespeist, 1.600 kWh wurden selbst in Echtzeit verbraucht. Der jährliche Gesamtverbrauch der Familie (abzüglich des produzierten Solarstroms), lag bei 11.400 kWh. Das hört sich nach sehr viel an, ist aber in Norwegen für ein großes Haus von 275 Quadratmetern tatsächlich ein sehr geringer Verbrauch. Da, wie in den meisten nordischen Ländern, vorwiegend elektrisch geheizt wird, liegt der durchschnittliche Verbrauch privater Haushalte bei rund 16.000 kWh. Nicht schlecht also. In diesen Verbrauch zählt außerdem das tägliche Laden eines Nissan Leaf. Dazu hat die Familie auch kürzlich eine Easee Wallbox installiert, die sie zum intelligenten Laden nutzen. 

Schlicht und einfach

Elisabet und Håvard wollten die volle Kontrolle über alle Entscheidungen zu Materialien, Energiesystem und Technik. Nachdem sie einen Architekten beauftragten, der Erfahrung mit Häusern aus Massivholz hat, begann der Bauprozess, welcher insgesamt vier Jahre dauerte. Sie beauftragten auch einen Berater, der die Wahl der Materialien durch Lebenszyklusanalysen unterstützte. Bei der Technologie lautete die Devise, Produkte zu wählen, die das tägliche Leben erleichtern würden. Im Haus findet man daher intuitive Technik, die nach Meinung des Paares sehr einfach zu bedienen ist und Spaß macht - und die obendrein dabei hilft, den Stromverbrauch zu reduzieren. 

Das Smart Home der Familie umfasst:

  • Netatmo - Wetterstation

  • Ngenic Integration für eine Wärmepumpe von Bosch

  • Easee Home - Wallbox zum Laden des Elektroautos

  • Velux Active, Motor zum Öffnen von Dachfenstern, integriert mit Netatmo

  • Eltako (kabelloses Beleuchtungssystem) und POPP (kabelloser Feueralarm), gesteuert über FHEM-Software von Raspberry Pi mit Z-Wave- und Enocean-verbundenen Modulen 

  • Sonos-Soundsystem integriert mit Google-Sprachsteuerung

  • Panasonic-Solarmodule mit einem SMA-Wechselrichter 

  • ID-Schließsystem

Elisabet und Håvard blicken optimistisch in die Zukunft und glauben, dass das Entscheidende beim modernen Hausbau ist, klein, einfach und nachhaltig zu denken. Alles, von der Bauweise bis zum Heizsystem, spielt eine Rolle beim nachhaltigen Bauen. Wir als Verbraucher haben dabei die Verantwortung, informiert zu sein, Transparenz zu fordern und die bestmögliche Wahl zu treffen. Nachhaltigkeit liegt in den kleinen, aber bewussten Entscheidungen, sagt Elisabet. Die Wahl von Holz statt Zement, Bio-Ölen statt Farbe und gebrauchte Möbel statt neuer sind nur einige Beispiele. Abschließend möchte die Familie mit zwei weit verbreiteten Irrtümern aufräumen, wenn es um den Bau von Ökohäusern geht: Es muss nicht teuer und nicht kompliziert sein! Im Vergleich zu ähnlichen Häusern in der Gegend, hat das Haus der Familie keinen höheren Quadratmeterpreis. 

Auch als einzelner Verbraucher kann man einen großen Unterschied machen. Sein Verhalten und Angewohnheiten zu ändern ist oftmals einfacher, als viele Leute annehmen, ist Elisabet überzeugt. 

Wir sind ganz ihrer Meinung.

Publiziert 27.1.2020

Sara Brolin
Storyteller

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